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Erdmannliloch und Spaltenflue

Auch wenn man die freundlichen Erdmannli im Bachsertal heute vergebens sucht: ihre Burghöhle beeindruckt noch immer. Wer weiter wandern will, findet rund ums grösste geschlossene Waldgebiet des Kantons Zürich weitere einzigartige Felsformationen, seltene Pflanzen und Feuersalamander.

Eine Geschichte berichtet davon, wie ein kleines Volk, die Erdmannli, die teils auch als Lampohren beschrieben wurden, in der Höhle hausten. Sie sollen der Bevölkerung heimlich Gutes getan haben, halfen über Nacht im Stall, auf dem Feld und bei Küchen- oder Strickarbeiten.

Das Zürcher Bachsertal liegt hübsch eingebettet zwischen dem östlich gelegenen Eggwald, dem grössten geschlossenen Waldgebiet des Kantons und einer im Westen bewaldeten Hügelkuppe, mit dem an der schmälsten Stelle gelegenen Sanzenberg. Die Region ist trocken, aber auf dem kargen, lichten Waldboden findet man hier Tier- und Pflanzenarten, die man eher im Jura oder südlich der Alpen erwarten würde. 

Am Sanzenberg gedeihen Orchideenarten, Wald-Reitgras, Geflecktes Ferkelkraut und sogar stark gefährdete Arten wie die Schwarze Flockenblume und der Rauhe Alant. Einzigartig ist auch die autochthone Population von Mauereidechsen. Die Hoflue ist einer von vier übrig gebliebenen Standorten im Kanton, wo man die ursprüngliche Mauereidechse in ihrem natürlichen Vorkommen beobachten kann. Mit etwas Glück trifft man hier zudem den Berglaubsänger – einen kleinen olivgrünen Vogel, der ansonsten im Jura oder der Südschweiz beheimatet ist.

 

Die ehemalige Grottenburg Hohfluh

Zur liebreizenden Flora und Fauna gesellen sich im Hintergrund schroffe Nagelfluhwände, die das Bühnenbild dramatisch abrunden. Wer genauer hinschaut erkennt eine Felsenfratze, die schelmisch grinst. Wir bleiben auf den vorgesehenen Pfaden, um keine Pflanzen zu beschädigen und lassen uns oben an der Felswand von dem riesigen Mund, der sich als eine Dutzend Meter tiefe Höhle entpuppt verschlucken. Unter diesem 15 Meter langen Felsendach – wie auch in der benachbarten kleineren Höhle – kann man wunderbar rasten. Der von Russ schwarz gefärbte Felsen kommt aber nicht von der dortigen Feuerstelle. Er hat seinen Ursprung in einem Brand. 

Die offene Höhle war nämlich einst geschlossen, wie Mauerreste am Eingang noch erahnen lassen. Hier befand sich die Grottenburg Hohfluh (auch Balmburg Hohfluh genannt) die vermutlich bereits im 13. Jahrhundert gebaut wurde. Wofür die Burg diente, bleibt geheimnisvoll. Man vermutet, dass sie als Heimstätte für eine Rodungsgemeinschaft benutzt wurde. Oder sie diente als Festung für eine Talsperre, die hier um 1500 das Bachsertal abzäunte. Manche glauben auch an eine Verbindung zur heute verschwundenen Burg Waldhausen, die jedoch bereits 1440 verlassen war und kurz darauf zerfiel. 

Die Grottenburg Hohfluh wurde dagegen noch bis ins 19. Jahrhundert genutzt, wie archäologische Funde darauf hindeuten. Da man bei Grabungen auch auf eine 25 cm dicke Kohleschicht stiess und die Felsen so weitflächig schwarz verfärbt sind, geht man davon aus, dass die Burg durch einen Brand zerstört wurde. Als Höhlenburg war sie im Kanton Zürich einmalig und glich beispielsweise der in Solothurn gelegenen Burgruine Balmfluh.

 

Die Sage vom Erdmannliloch

Im Volksmund wird die Höhle bei der ehemaligen Grottenburg Hohfluh bis heute liebevoll als Erdmannliloch oder Erdmännliloch bezeichnet. Eine Geschichte berichtet davon, wie ein kleines Volk, die Erdmannli, die teils auch als Lampohren beschrieben wurden, in der Höhle hausten. Sie sollen der Bevölkerung heimlich Gutes getan haben, halfen über Nacht im Stall, auf dem Feld und bei Küchen- oder Strickarbeiten. 

Besonders dem Müller in der Thalmühle gingen diese «Zürcher Heinzelmännchen» kräftig zur Hand, obschon er sich über die freundlichen Wichtel immer lustig machte. Da er wissen wollte, ob es sich wirklich um Zwerge handelte, streute er eines Abends Mehl um das Gebäude. Am nächsten Morgen wollte er darin die erwarteten kleinen Fussabdrücke erkennen. Die Erdmannli durchschauten aber des Müllers List und zogen erzürnt von dannen. Seither muss man im Bachsertal seine Arbeit wieder selbst verrichten.

Das Bachsertal ist genauso eine Fundgrube für Naturfreunde wie für Liebhaber geheimnisumwitterter Sagen.

Wie viele Sagen könnte auch diese einen wahren Kern enthalten. Vielleicht diente die Höhle Armengenössigen als Unterschlupf, welche in der Gegend nach einer Gelegenheit für eine Arbeit suchten. Die Rede ist auch von Wiedertäufern und Einsiedlern, die hier möglicherweise eine Bleibe gefunden haben. Das selbst Adlige die ehemalige Grottenburg bewohnt haben könnten, schliessen Fachleute nicht aus, obschon Hinweise darauf fehlen.

Mächtige Felsen, Mauerreste und uralter Russ machen die mittelalterliche Grottenburg Hohfluh zu einem abenteuerlichen Rastplatz.v

Eine weitere Sage berichtet von Ritter Adalbert von Waldhausen, der in der Nähe des Erdmannlilochs einen Knaben einsperrte, weil dieser einen Hasen tötete. Da man ihn trotz Flehen seiner Grossmutter nicht frei liess, schwor die alte Frau Rache. Ritter Adalbert liess den Jungen aber erst frei, als seine Grossmutter verstarb. Zur Strafe gebärte des Ritters Frau danach nur Kinder die nicht grösser als ein Zwerg wurden. Sie sollen später im Erdmannliloch gehaust und ihm den Namen gegeben haben. 

Höhlen und Felsen waren immer schon ein begehrtes Motiv für geschichtsträchtigen Sagenstoff. Nur 2,5 km Luftlinie entfernt findet man bereits ein nächstes Felsspektakel, das wiederum mit mündlichen Überlieferungen aufwartet.

Die Sage vom Silberbrünneli

Noch auf Zürcher Boden plätschert am Chräbsbach fast unscheinbar im Eggwald bei Niederweningen das sogenannte Silberbrünneli aus einem spitz zugehauenen Brunnenstein. Es ist eine der vielen Quellen, die selbst bei grosser Trockenheit nicht versiegen. Der bewaldete Hang schützt vor direkter Sonneneinstrahlung und hält das Wasser kühl, das durch die Bodenschichten gereinigt zu Tage tritt. Eine Infotafel in der Nähe gibt die gemessenen Mineralstoffgehalte der Quelle an. 

Weniger appetitlich ist die Sage vom Silberbrünneli, denn hier wurde der Erzählung nach einst der Leichnam eines Knaben aus Siglistorf gefunden. Der Junge soll vor seinem Tod von seinem Paten einen silbernen Löffel geschenkt bekommen haben. Der Löffel wurde ihm aber zum Verhängnis, denn sein habgieriger Vater trachtete nach dem wertvollen Gegenstand. Weil der Bub den Löffel aber immer bei sich trug und diesen nicht hergeben wollte, stiess der Vater sein Sohn über einen zwanzig Meter hohen Felsen bei der Spaltenflue. Wie durch ein Wunder überlebte der verletzte Junge und schaffte es noch hinunter zum Silberbrünneli, wo er mit dem Silberlöffel in der Hand schliesslich verstarb.

Selbst bei grosser Trockenheit plätschert das Silberbrünneli zuverlässig aus dem Stein.

Spannende Spaltenflue

Die Spaltenflue unweit des Silberbrünnelis ist eine geologische Seltenheit wie sie im Kanton Zürich vor allem am Bachtelspalt bekannt ist (siehe «Wissengubel und Bachtelspalt»). Ein rund 20 Meter hoher Felsen bildet einen grossen Spalt auf einer rund 140 Meter langen Strecke. 

Links und rechts der Wand findet man überall kleine Felsnischen. Einige Partien der Stpaltenflue wirken wegen der Nagelfluh wie künstlich gemauert und bilden sockelartige Gebilde. Andere abgebrochene Felsbrocken sind von Moos und Farn überwachsen. Herabgestürzte Baumstämme liegen diagonal in der Felsschlucht und lassen dadurch erst die Grösse der Schlucht erahnen. Im nördlichen Abschnitt findet sich bei der abgetrennten Wand ein weiterer Spalt, der wesentlich enger, aber noch gut begehbar ist. 

Mit etwas Glück findet man hier bei Regenwetter oder in der Dämmerung den auffallend gelbschwarz gemusterten Feuersalamander, dem diese feuchten und dunklen Standorte besonders behagt. Deshalb und weil ein Ausrutschen unangenehme Folgen haben könnte, schauen wir Schritt für Schritt, wo wir hintreten. Die dunkle, feuchte Spaltenflue steht jedenfalls schön zum Kontrast der zu Beginn erwähnten sonnenverwöhnten, trockenen Hohflue und rundet diese Wanderung ab.

Mächtig und selten wie der Bachtelspalt: die Spaltenflue ist ein Naturwunder, das kaum jemand kennt

Text und Bilder: Michel Brunner

Quellen:
Huber, Martin (16.02.2025): Ruine im Steilhang: Das Rätsel um Zürichs einzige Grottenburg. Tages-Anzeiger

Windler, Renata (2007): Vom Grabhügel zur Ökosiedlung – Zürcher Bau-Geschichten. Mitteilung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 74, S. 28

Wanderung zu Erdmannliloch und Spaltenflue

3 h 5 min / 10,5 km / Schwierigkeit T 2 / Aufstieg: 433 m / Abstieg: 451 m Abstieg

 

Verpflegung:

  • Restaurant Huebhof noch vor der Thalmühle auf der gegenüberliegenden Strassenseite, geöffnet: Mo/ Di: ab 17 Uhr 

  • Gasthof zum Löwen: Mo – Fr: 8.30 – 24.00 Uhr, Sa/ So: Ruhetag 

  • Bäckerei Moor: unregelmässige Öffnungszeiten, je nach Tag vorgängig abklären 

  • Kafi Wano: unregelmässige Öffnungszeiten, Mo: Ruhetag

 

Von der Bushaltestelle «Bachs, Milchhütte» zweigt man westlich der Bachsertalstrasse kurz links in die Dorfstrasse, bevor man rechts dem Wanderwegzeichen Richtung «Fisibach» und dem namensgleichen Bächlein folgt. Bei der Thalmühle findet sich die Möglichkeit für einen Abstecher zum Erdmannliloch, wofür man rechts den Wanderweg verlässt und die Bachsertalstrasse überquert. Wenige Meter danach zweigt ein unscheinbarer Pfad etwas links neben der grossen Infotafel nördlich ins steile Gelände. 

Diesem folgt man eine Viertelstunde immer geradeaus über eine erste Vierer-Verzweigung bis kurz danach rechts, ein schmalerer Pfad direkt zur Felswand mit dem Erdmannliloch hochführt. Wieder zurück bei der Thalmühle nimmt man den Wanderweg wieder auf und verlässt diesen unmittelbar am Waldrand links hoch bis zum Gehöft Waldhausen, wo man danach immer wieder mal sporadisch die Kantonsgrenze zum Aargau überschreitet. Dort kommen wir links wieder auf den Wanderweg, der sich weiter südlich aufteilt. 

Wir folgen dem rechten Wanderweg Richtung Niederweningen und kommen über eine bewaldete Kuppe ins abgelegene Buthal. Danach folgt man im Wald links dem Wanderwegzeichen nach Niederweningen Dorf und kommt direkt hinter dem kleinen Chräbsbach zum Silberbrünneli. Die Umgebung hat sich in den letzten Jahren geändert, da der auf den Karten hinter uns befindliche eingezeichnete Pfad komplett zugewachsen ist. 

Dafür findet man dem Wanderweg weiterfolgend einige Meter danach einen auf der Karte nicht eingezeichneten Forstweg der rechts hochführt und gleich danach zu einer schmalen Wegspur wird. Dieser Pfad führt direkt in die Spaltenflue. Auf demselben Weg zurück geht es schliesslich dem Wanderweg rechts immer weiter Richtung Niederweningen Dorf. Erst nachdem wir den weitläufigen Eggwald durchwandert haben, teilt sich der Wanderweg, von wo aus man entweder rechts zum Bahnhof Niederweningen oder links zur Bahnstation Niederweningen Dorf gelangt. Letztere Strecke bietet je nach Tag und Zeit die Möglichkeit zur Einkehr. 

Anreise

Parkplatz zum Erdmannliloch: Bei der Thalmühle auf der östlichen Seite der Bachsertalstrasse. Von dort zu Fuss in 15 min bis zur Höhle. 

Parkplatz zur Spaltenflue: Keine Parkmöglichkeiten in der Nähe. Parken in Niederweningen oder am einfachsten bei der Thalmühle in Bachs. Von der Thalmühle zu Fuss in 1 h bis zu Silberbrünneli und Spaltenflue.