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Hereinspaziert, an Bord!

Die Herzbaracke - die schwimmende Kulturinstitution in Zürich.

Aussen kühles Blau, innen warme Rottöne: Die Herzbaracke ist ein schwimmender Salon, der von Herbst bis Frühling zum Genuss für Leib und Seele einlädt. Wer an Bord geht, isst, staunt, lacht und sitzt den Künstlerinnen und Künstlern so nah gegenüber wie sonst kaum wo. Wir haben mit Christian Jott Jenny, dem Vorsteher des «Amts für Ideen» und Kapitän des Kleintheaters, über Seegang, Sanitäranlagen und Stars gesprochen.

Viele Zürcherinnen und Zürcher sind schon am Bellevue an ihr vorbeispaziert, haben sie neugierig beäugt und sich gefragt: Was ist denn das? - Die Herzbaracke, willkommen an Bord!

Im schwimmenden Kleintheater verschmelzen Ambiente, Küche, Musik und Schauspiel zu einem Gesamtkunstwerk für alle Sinne.

«Ich bin auch ein Schiff.» Mit diesem Spruch warb der Zürcher Verkehrsverbund ZVV einst für den öffentlichen Verkehr. Was damals mit einem Augenzwinkern gemeint war, hat die «Herzbaracke» eingelöst: Sie ist ein Theater, ein Restaurant, aber eben auch ein Schiff.

Viele Zürcherinnen und Zürcher sind schon am Bellevue an ihr vorbeispaziert, haben sie neugierig beäugt und sich gefragt: Was ist denn das? Wer einmal an Bord ist, gerät schnell in ihren Bann. Denn im schwimmenden Kleintheater verschmelzen Ambiente, Küche, Musik und Schauspiel zu einem Gesamtkunstwerk für alle Sinne.

Vor rund einem Jahr hat Christian Jott Jenny die Herzbaracke mit seinem «Amt für Ideen» von Gründer Federico Emanuel Pfaffen übernommen. Kein anderes Kulturinstitut hätte sich in dieses Abenteuer gestürzt, wie er selbst sagt. Mittlerweile wird er von der Zürcher Kantonalbank als Presenting Partner flankiert.

Christian Jott Jenny

Er begann seine Karriere bei den Zürcher Sängerknaben und entwickelte sich zum Tausendsassa. Mittlerweile ist Christian Jott Jenny Tenor, Produzent, Vorsteher seines «Amts für Ideen» und bis Ende 2026 Gemeindepräsident von St. Moritz, wo er das «Festival da Jazz St. Moritz» ins Leben gerufen hatte.

Herr Jott Jenny, Sie sind für das Amt für Ideen auf unzähligen Bühnen gestanden. Was war anders, als Sie zum ersten Mal an Bord der Herzbaracke waren?

Ein Besuch auf der Herzbaracke fühlt sich grossartig an. Doch das Amt für Ideen ist ein Amt. Es steht nicht auf der Bühne, sondern verwaltet meine Ideen – und setzt sie meist um. Ein Amt kann eben verfügen. Wir verfügen über unsere Kulturproduktionen und haben nun auch eine Dienstabteilung «Herzbaracke» eingerichtet. Sie ist eine Erfindung des Künstlers Federico Emanuel Pfaffen und das speziellste Theater in der Schweiz: eine schwimmende Bühne mit eigenem Restaurant.

 

Was haben Sie nach 27 Saisons unter Federico Emanuel Pfaffen bewusst nicht angefasst – und was verändert?

Federico hat in diesem Vierteljahrhundert den absoluten Feinschliff gemacht: Alles, was in der Herzbaracke ist, hat eine Funktion. Deshalb sind wir sehr behutsam an die Sache gegangen und haben nur Kleinständerungen vorgenommen – vor allem bei der Infrastruktur und beim künstlerischen Programm. Da können wir auf eine grosse Erfahrung zurückgreifen.

 

Welche Herausforderungen bringt ein schwimmendes Kleintheater mit sich?

Die Herzbaracke ist täglich für Überraschungen gut – meist erfreulicher Art. Letztlich schwimmt sie, ist also ein schiffähnliches Ding und braucht entsprechende Pflege. Die Elektrik ist langsam mal fällig, der Unterboden muss gewartet werden, Küchenarbeiten fallen an – es gibt immer etwas zu tun. Zudem haben wir seit diesem Jahr komplett neue Sanitäranlagen, die keinen Wunsch offenlassen! (Lacht!)

 

Sie kennen Behörden aus beiden Perspektiven: als Gemeindepräsident von St. Moritz und als Kapitän auf dem Zürichsee. Wie erleben Sie den Umgang mit den Ämtern rund um den See?

Ich liebe Ämter! Deshalb habe ich ja das Amt für Ideen gegründet. Auf und hinter jedem Amt verbirgt sich – meist noch – ein Mensch. Das sind halt oft eigenartige Pflänzlein. Aber wo nicht? Wenn es gelingt, die Ämter (und um den See gibt es einige) für seine Ideen zu gewinnen und eine Sinnhaftigkeit oder eine Gemeinnützigkeit zu erklären, dann hat man meist einen tollen Ermöglicher auf der anderen Seite. Ich habe in meinen acht Jahren als Gemeindepräsident viel Positives erlebt und mein Vertrauen in den Staat ist eher gewachsen. Dabei komme ich aus einem sehr liberalen Haus.

 

Worauf freuen Sie in der aktuellen Saison besonders? Gibt es ein Experiment aus dem Amt für Ideen, das das Publikum so noch nicht erlebt hat?

Wir werden grossartige Künstlerinnen und Künstler bei uns zu Gast haben. Es ist immer ein guter Mix aus vielem Lokalem, aber auch Internationalem. Jeden Monat steht irgendein Star auf der winzigen Bühne – zum Beispiel der Entertainer Helge Schneider, der Akkordeonist Richard Galliano oder der Künstler Kurt Maloo. Da kann man schon denken: Wie ist das möglich? Der oder die spielt doch sonst nur vor 2000 Leuten!

 

Welche Künstlerin, welchen Künstler würden Sie am liebsten einladen, wenn Sie frei wählen könnten – ohne Restriktionen?

Wir laden nur Künstler ein, die wir wollen. Denn wir können frei wählen – wir sind der Kapitän!

 

Wovon träumen Sie mit Blick auf das schwimmende Theater noch?

Dass wir nicht untergehen.

Service

Für Gaumen und Gemüt

Die Herzbaracke befindet sich von Ende Oktober bis Mitte März am Bellevue in Zürich. Danach fährt sie seeaufwärts nach Rapperswil, wo sie bis Mitte April verweilt.

Die Türen öffnen sich jeweils von Dienstag bis Samstag um 18 Uhr zum Apéro. Danach folgt ein Vier-Gang-Menu.

Gegen 20.30 Uhr geht der Vorhang auf. Künstlerinnen und Künstler lassen sich während gut einer Stunde so nah wie sonst kaum wo erleben.

Nach der Vorstellung wird das Dessert aufgetischt – und kein Gast soll die Herzbaracke mit offenen Wünschen verlassen.

Die Tickets für einen Abend auf der Herzbaracke kosten in der Regel 58 Franken (Ausnahmen sind möglich). Hinzu kommen 88 Franken für das Vier-Gang-Menu – plus die Getränke je nach Konsumation.

Die gute Nachricht: Wer an der Abendkasse die ZKB-Kundenkarte vorlegt, profitiert von einem Rabatt von 20 Prozent.

www.herzbaracke.ch

Das Vier-Gang-Menu kostet den Gast CHF 88.- (plus Getränkekonsumation).