
Genuss mit Steigung: Weinwandern am Schiterberg
Von Andelfingen über den Schiterberg zum Hummenberg; Degustation inklusive.
Bewegung, malerische Landschaft und ein Sack mit regionalen Spezialitäten: Die Weinwanderung von Andelfingen über den Schiterberg zum Hummenberg verbindet alles, was einen guten Ausflug ausmacht. Und nebenbei erfährt man so viel über den Weinbau, dass man damit andere beeindrucken kann.

Zwischen den Reben stehen Räbhüsli, wie sie für die Region typisch sind.
«Selbst in klimatisch weniger guten Sommern haben die Reben bei gutem Wetter volle Sonnenexposition. Dadurch hält sich die Wärme im Hang und schafft Bedingungen, die auch für südländische Traubensorten ideal sind»
Jeanette Trüb-Brunner, Winzerin
Los geht es in Andelfingen. Im Café «Gans Gmüetli» wartet der vorbestellte Degustations-Bag mit allem drin, was es für die nächsten Stunden braucht: Weinglas, Wasser, frisches Brot und wahlweise Buureschüblig oder Käse. Unterwegs darf man sechs Weine degustierten, verteilt auf drei Räbhüsli von verschiedenen Winzerfamilien. Für Kinder und Erwachsene, die keinen Wein trinken, stehen alkoholfreie Getränke bereit.
Bevor es über die Thurbrücke nach Kleinandelfingen und weiter zum Schiterberg geht, empfiehlt sich ein Spaziergang durch Andelfingen. Das Wasserrad der Lindenmühle und der Schlosspark sind nur zwei der vielen Sehenswürdigkeiten im geschichtsträchtigen Dorf.
Wümmen mit Bergsteigerschuhen
Das landschaftliche Highlight, den 30 Meter hohen Schiterberg, erreicht man nach einer halben Stunde Wanderzeit. «Dieser Hang hat es in sich, er ist mit bis zu 89 Prozent Neigung der steilste Rebberg im Kanton Zürich», erklärt Jeannette Trüb-Brunner, die mit ihrer Familie am Schiterberg rund 2,5 Hektaren Reben bewirtschaftet.
Spätestens wenn man durch die Rebzeilen nach oben schaut, wird klar: Die Arbeit im Weinberg ist äusserst anspruchsvoll. Im steilen Gelände erfordert die Weinlese, der «Wümmet», hohe Konzentration – gutes Schuhwerk ist Pflicht. «Viele Leute tragen Bergsteigerschuhe in der Freizeit. Ich trage sie zum Wümmen», sagt Trüb-Brunner und lacht.
Die aussergewöhnliche Lage hat aber auch ihre Vorteile. «Selbst in klimatisch weniger guten Sommern haben die Reben bei gutem Wetter volle Sonnenexposition. Dadurch hält sich die Wärme im Hang und schafft Bedingungen, die auch für südländische Traubensorten ideal sind», erklärt die Winzerin.

Mit 89 Prozent Neigung der steilste Rebberg im Kanton: der Schiterberg
Räbhüsli zum Verweilen
Zwischen den Reben stehen Räbhüsli, wie sie für die Region typisch sind. Zwei davon gehören Jeannette Trüb-Brunner, eines befand sich bereits im Besitz ihrer Grosseltern. Damit wird deutlich, dass der Rebbau mehr ist als Weinproduktion: Er gehört zur Landschaft, zur Familiengeschichte und zur Kultur des Zürcher Weinlands.
Dass Wandernde heute selbständig von Räbhüsli zu Räbhüsli ziehen und unterwegs Weine degustieren, hat mit Covid-19 zu tun. «2020 durften wir im Weingut keine Degustationen anbieten. Auf der Suche nach einer Alternative, kam mir die Idee, im Räbhüsli Weine bereit zu stellen und die Leute auf Wanderschaft zu schicken», erzählt Trüb-Brunner.
Aus der Notlösung wurde ein Freizeitangebot, das geblieben ist. Das Prinzip ist einfach: Bag reservieren, in Andelfingen abholen und loswandern. Zwei Tage vor der Wanderung erhalten die Teilnehmenden einen Code, mit dem sie unterwegs Zugang zu den Weinen in den Räbhüsli bekommen. Dort darf eingeschenkt, probiert und die Aussicht genossen werden.

Ein schmeichelhafter Tropfen vom Schiterberg und eine herrliche Aussicht, was will man mehr.
Unterwegs ohne Hektik
Die Route führt anschliessend vom Schiterberg durch Wald und Wiesen zum Hummenberg, einem weiteren Rebberg. Auf den restlichen Kilometern zurück nach Andelfingen wandert man der Thur entlang. Ein Abstecher ans Flussufer lohnt sich definitiv – nicht nur, um die Füsse abzukühlen
Wer nur die reine Wanderzeit rechnet, benötigt etwas mehr als drei Stunden. Das wäre allerdings schade. Die Pausen in den Räbhüsli gehören genauso zum Erlebnis wie die Kilometer dazwischen. Für die gesamte Genussrunde sind fünf bis sechs Stunden einzuplanen.
Das macht den Reiz der Wanderung aus: Man muss nirgends möglichst schnell ankommen. Der Weg, die Aussicht, ein Stück Käse zu einem Glas Wein sind Ziel genug.

Eine alte Trotte säumt den Weg.
Informationen in Kürze
Auf einen Blick
Route
Andelfingen – Schiterberg – Hummenberg – Andelfingen
Distanz: 12,6 km ¦ Wanderzeit: ca. 3 Std. 15 Min ¦ Erlebniszeit mit Degustationen: ca. 5–6 Stunden
Höhenmeter: ca. 144 m aufwärts und abwärts ¦ Höchster Punkt: 425 m ü. M. ¦ Schwierigkeit: mittel ¦ Start und Ziel: Bahnhof Andelfingen
Degustations-Bag:
Abholung im Café Gans Gmüetli (Bächerei Gnädinger) in Andelfingen
Im Bag: Weinglas, 5 dl Wasser, ein frisches Brötchen sowie wahlweise Buureschüblig oder Käse.
Gut zu wissen: Der Bag muss vorgängig online gebucht und bezahlt werden.